Melodie & Rhythmus

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Editorial

Angemessene Panik

Unter dem Joch des totalen Marktes haben die Menschen einen Grad an Selbstentfremdung erreicht, der viele die zunehmend realistische Aussicht auf ökozidale Auslöschung als Hochgenuss verheißendes Spektakel wahrnehmen lässt. Horror-Climate-Fiction und andere kulturindustriell produzierte Dystopien lassen die Kassen klingeln. Manche leugnen einfach die Gefahr (darunter auch verirrte Linke, die dem Fichte’schen Idealismus verfallen sind, sich als Kontrahenten der Natur und diese als bloßen Materiallieferanten zu betrachten) und vertrauen auf den Mythos des grenzenlosen Wachstums – nicht selten in der Wahnvollstellung gipfelnd, man könne ohne Natur leben. Wozu noch Apfelbäume, wenn man doch Steve Jobs’ »Apple Park« im Silicon Valley hat? weiterlesen

Magazin

00026Wunderbare kleine große Frau
Esther Bejarano zum 95. Geburtstag – ein Ständchen von Moshe Zuckermann

»Shir lashalom« (Lied für den Frieden) ist ein 1969 komponierter Song, der durch die Sängerin Miri Aloni berühmt wurde. Er betrauerte die Gefallenen, beklagte ihre Unwiederbringlichkeit und beschwor emphatisch den Frieden, das unnachgiebige Streben nach ihm. Der Song wurde in Israel höchst kontrovers rezipiert: Den einen galt er als demoralisierend und das Andenken an die Gefallenen besudelnd, den anderen als Träger der Hoffnung auf ein Ende der Gewalt. weiterlesen
Foto: DPA / Jens Krick

Kunst & Künstler

00024»Es tobt ein Kampf um unsere Geschichte«
Ken Loach liefert ein bedrückendes Arbeiterdrama aus der Albtraumwelt der »Gig-Economy« − ein Weckruf an das unterdrückte Klassenbewusstsein

In seinem neuen Spielfilm »Sorry We Missed You«, der Ende Januar in die deutschen Kinos kommt, nimmt Regisseur Ken Loach die »Gig-Economy« und ihre Nullstundenverträge unter die Lupe – ein besonders brutales Ausbeutungsinstrument des Arbeitsmarkts im neoliberalen Kapitalismus. M&R sprach mit dem Meister des Sozialrealismus über seine filmische Verarbeitung der prekären Lebensverhältnisse der britischen Arbeiterklasse, sein politisches Engagement für Jeremy Corbyn und die Notwendigkeit eines radikalen Wandels.

Herr Loach, in einer wichtigen Szene von »Sorry We Missed You« bewirbt sich der Protagonist Ricky Turner als Fahrer bei einem Lieferservice. Im Vorstellungsgespräch sagt der Manager zu ihm: »Wie bei allem hier − du hast die Wahl.« Gibt es denn eine freie Wahl in der sogenannten Gig-Economy?
Der Konflikt drückt sich in unserem Film in der Degeneration der Sprache aus. weiterlesen
Foto: Joss Barray

Zuhören, denken, handeln
Mats Gustafsson will mit seiner Musik kritisches Bewusstsein schaffen

Der schwedische Saxofonist Mats Gustafsson gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den weltweit wichtigsten Improvisationsmusikern. Er verbindet den Geist von Punk und Free Jazz, sein Spiel hat mitunter Orkanstärke. M&R sprach mit ihm über seine neuen Projekte, seine riesige Plattensammlung und das Versagen des herrschenden Systems.

Herr Gustafsson, essen Sie eigentlich jeden Tag ein Tomahawksteak?
Ich esse, was ich esse. Tomahawksteaks sind für dumme Leute. Industrielles Fleisch ist mehr als dumm. Wie kommen Sie überhaupt darauf? weiterlesen

00034Am System rütteln
Der Rapper Tommy Vercetti plädiert mit seiner Kunst für ganz andere Eigentumsverhältnisse

Mit seinem neuen Album »No 3 Nächt bis Morn« hat Tommy Vercetti die Spitze der helvetischen Charts erobert. Mit scharfer Zunge kommentiert der Künstler, der auch schon mit Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, die alltäglichen Verwerfungen des Kapitalismus. M&R sprach mit dem Schweizer Rapper über Privateigentum, Narzissmus und politische Kunst weiterlesen
Foto: Moritz Keller

Titelthema Ökologie

Wann blüht das Wasser?
Kapitalistische und sozialistische Spekulationen über ökologische Sorgen

Das Umweltproblem begleitet mein gesamtes bewusstes Leben. Ich erfuhr davon als BRD-Kind in den 1970er-Jahren, teils im Schulunterricht, teils aus eigener Anschauung (der Kanal in der Nähe der Wohnsiedlung war fürchterlich), teils aus den Gesprächen der Erwachsenen und teils aus dem Kinderfernsehen, etwa bei den lustigen »Wombels«. Für die pelzigen Puppenkreuzungen aus Igel, Hamster und Menschenwichtel ging es schon im Titellied ihrer Sendung ums Ganze: »Umwelt fängt an vor der eigenen Tür/ Wombels sind Wesen, die tun was dafür.« weiterlesen

Ökomodernismus oder Ökosozialismus?
Nachhaltige Architektur außerhalb von Enklaven der Besserverdienenden

Reyner Banhams Buch »The Architecture of the Well-Tempered Environment« (Die Architektur der wohltemperierten Umwelt, 1969) ist eine Studie über Innovationen in der Wasserversorgung, Heizung und Belüftung, die durch neue Gebäudearten überhaupt erst möglich wurden. Am Ende findet sich eine Beschreibung der Gesamtschule von Wallasey – einer Satellitenstadt bei Liverpool, die 1961 nach den Entwürfen von Emslie Morgan, einem Architekten der Kommunalverwaltung, entstanden war. weiterlesen

Sehnsucht nach Einsamkeit und Distanz
Black Metal und sein Rückzug in die Natur als Antithese zum Kapitalismus

Der Rückzug der Black-Metal-Band Mayhem in ein abgelegenes norwegisches Dorf Anfang der 1990er-Jahre wird wohl immer mit dem spektakulären Selbstmord des Sängers Dead assoziiert werden. Als der damalige Gitarrist Euronymous seinen Bandkollegen mit Schusswunde im Kopf im gemeinsamen Haus auffand, machte er als Erstes Fotos für das Artwork einer Platte. weiterlesen

Werke

Planvoll organisiertes Grauen
Mishka Henner beleuchtet die Verbrechen der Fleischindustrie aus einer ungewöhnlichen Perspektive
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Mishka Henner ist Künstler und Fotograf. Die Arbeiten des Belgiers, der in Manchester lebt, wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und international ausgestellt, unter anderem in New York im MoMA und im Metropolitan Museum of Art. Henner will die großen Zusammenhänge des modernen Kapitalismus sichtbar machen. Seine »Feedlots«-Serie aus den Jahren 2012 und 2013 zeigt die Mastanlagen der US-amerikanischen Fleisch-industrie durch Screenshots von Google-Earth-Aufnahmen. M&R sprach mit ihm über seine Annäherung an die Objekte durch Abstraktion, die Grenzen der Dokumentarfotografie und die Massentierhaltung als Metapher für ein lückenloses Ausbeutungssystem. weiterlesen
Foto: Mishka Henner: »Tascosa Feedyard, Bushland, Texas«, Archiv-Pigmentdruck, 150 x 190 cm, 2013

Kritik & Reflexion

In einem unbekannten Land
maja»Die Biene Maja« − Karel Gott

»Die goldene Stimme aus Prag« hatte ihre internationale Karriere bereits in den 1960er-Jahren begonnen. Aber mit seiner Interpretation des Titelsongs der deutsch-japanischen Kinderfernsehserie »Die Biene Maja«, die ab 1976 im westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, hat sich Karel Gott in den Olymp der Unterhaltungsmusik gesungen. weiterlesen
Foto: Picture Alliance / United Archives

RTS2QHD7Nicht trotz, wegen Jugoslawien
Im Interesse der historischen Wahrheit − Notizen aus einem Gespräch mit dem Schauspieler Rolf Becker über die Auszeichnung von Peter Handke

Ein Herbsttag in Hamburg-St. Georg, typisch norddeutsch. Die Sonne scheint, doch es könnte auch jeden Moment anfangen zu regnen. »Nordseenähe«, erklärt Rolf Becker mögliche Wetterkapriolen, und das Café, vor dem der Schauspieler sitzt, trägt den passenden programmatischen Namen »Westwind«. weiterlesen
Foto: Reuters / Christian Hartmann

Wendezeit
Neue Filmdokumentation historischer Interviews mit Zeitzeugen der Münchner Räterepublik

Klaus Stanjeks Film »Rote Räte« wirft ein neues Licht auf eine relativ wenig bekannte, aber bedeutende historische Niederlage der antikapitalistischen Linken in Deutschland. M&R sprach mit dem Regisseur über seine Annäherung an die Ereignisse von 1919 und die Arbeit mit historischem Material. weiterlesen

»Meine Hölle bin ich selbst!«
Der Zeichner, Grafiker, Autor und manische Kunstberserker Horst Janssen wäre am 14. November 90 Jahre alt geworden − Anlass für zwei Ausstellungen

Horst Janssen gilt als einer der ausdrucksstärksten, aber auch umstrittensten Künstler seiner Generation. Nicht wenige hielten ihn für hochbegabt, wenn nicht genial – vor allem aber hielt er selbst sich dafür. »Ich bin die Gnade Gottes«, soll er einmal zu seinem Freund Peter Rühmkorf gesagt haben. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

00060Die Geburt des Politkitsches aus dem Geist des Antikommunismus
die PDS und die Linke haben der politischen Kultur der Bundesrepublik etwas Neues beschert: das Entschuldigen für Sozialismus und Antiimperialismus als Voraussetzung fürs Mitregieren

Statt Blumen gab’s einen überdimensional breiten Besen: Anfang Dezember 1989 wurde der Rechtsanwalt Gregor Gysi auf einem Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zu deren Vorsitzendem gewählt und erhielt symbolisch das Reinigungswerkzeug überreicht. Gäbe es ein Wappen der Partei, die sich eine Woche später in SED/PDS und im Februar 1990 in PDS – »Partei des Demokratischen Sozialismus« − umbenannte, hätte es das Auskehrinstrument enthalten müssen. weiterlesen
Foto: dpa-Bildarchiv

Unverklärte Wahrheit
Luigi Nonos antifaschistische Oper als Anklage der Verhältnisse

Von der Empore hagelte es Stinkbomben, neofaschistische Gruppen schrien: »Diese Oper macht krank!«; während einer Folterszene wurde »Viva la polizia!« skandiert. Die Uraufführung von Luigi Nonos »Intolleranza 1960« am 13. April 1961 im altehrwürdigen Teatro La Fenice in Venedig wurde immer wieder unterbrochen. Nonos Anhänger ließen mit einer Reaktion nicht auf sich warten und riefen: »Kretins!«, und: »Dreckige Faschisten!« weiterlesen

»Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden«
Chiles Musiker erheben sich gegen die Piñera-Regierung – mit Werken von Beethoven und Mozart, vor allem aber mit den revolutionären Liedern aus der Allende-Ära

An den seit Anfang Oktober andauernden Massenprotesten gegen sozialea Ungerechtigkeit in Chile sind auch viele Kulturschaffende beteiligt. Darunter die 21-jährige Dirigentin und Violinistin Danitza Villarroel, die das Philharmonieorchester Alimapu in Valparaíso leitet, der Kulturhauptstadt des Landes. M&R sprach mit ihr über die Beweggründe der Musiker, sich dem Widerstand anzuschließen, die künstlerische Tradition, in der sie stehen, und die Repression, der sie ausgesetzt sind. weiterlesen

»Die Natur kennt ein Erbarmen nicht«
»Auslese« und das »Recht des Stärkeren« als »natürliche Ordnung« der kapitalistischen Gesellschaft. Eine Tour entlang des Horizonts des − mit dem Neoliberalismus neu erblühten − Sozialdarwinismus und verwandter menschenfeindlicher Ideologien
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Das Entsetzen war groß, als Pegida-Demonstranten in Dresden im Sommer 2018 den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer mit Sprechchören »Absaufen! Absaufen! Absaufen!« wünschten. Ein randständiges Verrohungsphänomen, das sich nur bei Neonazis und rechten Wutbürger-Hetzmeuten ausmachen lässt? Keineswegs. Bereits 2017 hatte das Magazin Stern »Retten! Oder nicht?« getitelt, und auch die Wochenzeitung Die Zeit fragte kurz nach dem Vorfall in der sächsischen Landeshauptstadt: »Oder soll man es lassen?« weiterlesen
Foto: https://www.flickr.com/photos/edenpictures/9658759311, eden, janine and jim, Creative Commons

Standpunkte

Eine Kultur der Versöhnung des Menschen mit der Natur
Kolumne von John Bellamy Foster

In seinem berühmten Vorwort zu »Studies in a Dying Culture« (Studien in einer sterbenden Kultur) schrieb der marxistische Theoretiker Christopher Caudwell, der im Kampf aufseiten der Internationalen Brigaden im Alter von 29 Jahren im Spanischen Bürgerkrieg gefallen war: weiterlesen

00059Im Treibhaus des Kapitals
Gespräch mit Andreas Malm über die Racket-Natur der fossilen politischen Ökonomie, revolutionäre Naturkräfte und die Notwendigkeit von militantem Widerstand

Der schwedische Humanökologe Andreas Malm hat in den vergangenen Jahren vielbeachtete Beiträge zur marxistischen Theorie und Geschichte der Erderwärmung geschrieben. In »Fossil Capital« (2016) rekapituliert er die Industrialisierung des Energiesektors als Teil des kapitalistischen Umbaus der britischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert: Dampfkraft verdrängte laut Malm Wind und Wasser als Energiequellen, vor allem weil das Kapital damit seine Klassenherrschaft festigen konnte. weiterlesen
Foto: gemeinfrei

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Berichte von der Künstler-Konferenz

123314 Linke Hochkultur
Das war die Künstlerkonferenz der Zeitschrift Melodie & Rhythmus am vergangenen Sonnabend in Berlin
jW, 15.06.2019
Großartiges schaffen
Die Organisation der M&R-Künstlerkonferenz in Berlin war eine immense Kraftanstrengung
jW, 15.06.2019
»Nie wieder schweigen«
Rechtsruck, widerständige Kunst, Erinnerungskultur: jW-Bericht von der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus am Samstag im Heimathafen Berlin-Neukölln
jW, 11.06.2019
M&R-Künstlerkonferenz eröffnet
Eindrücke vom Auftakt im Berliner »Heimathafen Neukölln«
jW, 08.06.2019
»Wehe dem, der mit einfachen Worten die Wahrheit sagt!«
Am Vormittag der Melodie & Rhythmus-Künstlerkonferenz wurde über Rechtsruck und Medienmacht diskutiert
jW, 08.06.2019
Kunst als Ware und Nicht-Ware
Der zweite Teil der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus drehte sich um Konformes und Widerständiges in der Kunst
jW, 08.06.2019
»Nie wieder Schweigen!«
Das vierte und letzte Podium der Künstlerkonferenz befasste sich mit Erinnerungskultur.
jW, 08.06.2019
flashback